Herbstwind – Wenn die Naturgeister erwachen
Die Geschichte hinter meinem Aquarell „Herbstwind“ – von der Magie des Herbstes, unsichtbaren Wesen und dem Malen mit Tusche und Gouache.
Der Herbst ist für mich eine der schönsten Jahreszeiten. Ich liebe seine leuchtenden Farben, das goldene Licht und die besondere Stimmung, wenn die Tage langsam kürzer werden. Aber der Herbst hat auch etwas Geheimnisvolles – besonders dann, wenn der Wind durch die Bäume fährt, die Blätter durch die Luft wirbeln und die Natur sich auf den Winter vorbereitet.
Manchmal stelle ich mir vor, dass hinter all dem ein unsichtbares Wesen steckt, das durch die Landschaft zieht und den Wechsel der Jahreszeiten begleitet. Ein Naturgeist, der mit dem Wind kommt, die Blätter tanzen lässt und schließlich wieder verschwindet.
Genau diese Vorstellung hat mich zu meinem Aquarell „Herbstwind“ inspiriert.

Ein Herbstgeist zwischen Licht und Wind
In meinem Bild erscheint der Geist des Herbstwindes in Gestalt einer Frau. Ihre langen Haare wehen wie vom Wind getragen durch eine goldgelbe Herbstlandschaft. Sie scheint selbst Teil des Windes zu sein – für einen kurzen Augenblick sichtbar, bevor sie wieder mit ihm verschmilzt.
Als Schauplatz habe ich eine traditionelle japanische Architektur gewählt. Die geraden Linien der Holzrahmen und die ruhigen Flächen der Shoji-Schiebetüren bilden einen schönen Gegensatz zur Bewegung des Windes und den wirbelnden Blättern.
Besonders wichtig war mir das warme, goldene Licht, das die ganze Szene durchflutet. Es spiegelt sich auf dem glänzenden Boden und verleiht dem Raum eine beinahe unwirkliche Atmosphäre.
Wie „Herbstwind“ entstanden ist
Für dieses Bild habe ich mit wasserfester Zeichentusche und Gouache gearbeitet. Die Tusche hat eine Eigenschaft, die ich besonders schätze: Sobald sie getrocknet ist, lässt sie sich nicht mehr mit Wasser anlösen. Dadurch kann ich viele transparente Farbschichten übereinanderlegen, ohne die darunterliegenden wieder aufzulösen.
Begonnen habe ich mit der Nass-in-Nass-Technik. Dabei fließen die Farben auf dem feuchten Papier sanft ineinander und erzeugen weiche, verschwommene Übergänge. Das war besonders für die Spiegelungen auf dem Boden wichtig, in denen sich die Formen und Farben der Landschaft nur noch schemenhaft erkennen lassen.
Nach und nach habe ich weitere Farbschichten aufgebaut und die Formen immer genauer ausgearbeitet. Viele der feinen Details und die hellen Lichtakzente sind schließlich mit Gouache entstanden.
Eine besondere Herausforderung waren übrigens die vielen langen, geraden Linien der japanischen Architektur. Sie mit einem Pinsel zu ziehen, erfordert einiges an Übung! Ich lege dafür meine Hand auf dem Papier ab und führe die Bewegung möglichst gleichmäßig aus der Schulter heraus. Ganz ohne Lineal – und manchmal auch mit angehaltenem Atem.
Schau mir beim Malen über die Schulter!
Im folgenden Video kannst Du verfolgen, wie „Herbstwind“ Schicht für Schicht entsteht – von den ersten Farbflächen bis zu den letzten Details.
Wenn die Schleier zwischen den Welten dünner werden
Gerade im Oktober, wenn Halloween näher rückt, muss ich bei diesem Bild auch an die alten Geschichten rund um Samhain denken.
Samhain ist ein traditionelles gälisches Fest, das den Übergang zur dunklen Jahreshälfte markiert. Nach altem Volksglauben wird in dieser Zeit der Schleier zwischen unserer Welt und der Geisterwelt besonders dünn. Man glaubte, dass die Seelen der Verstorbenen zurückkehren könnten, und entzündete Feuer, um den Übergang in die dunkle Jahreszeit zu begleiten.
Ich mag diese Vorstellung, dass die Welt um uns herum noch ein bisschen mehr Geheimnisse birgt, als wir mit unseren Augen sehen können.
Vielleicht sind Naturgeister ja einfach eine poetische Art, die Kräfte der Natur zu betrachten und ihnen eine Gestalt zu geben. Für mich sind sie jedenfalls eine wunderbare Inspirationsquelle.
Und wer weiß – vielleicht ist es ja tatsächlich ein anmutiger Herbstgeist, der draußen gerade die letzten goldenen Blätter durch die Luft tanzen lässt. 🍂